RG Hamburg: CSD-Wochenende 2026 – Jetzt erst recht!
Der CSD in Hamburg stand in diesem Jahr unter dem Eindruck der erschütternden Ereignisse beim CSD in Berlin. Dennoch und vielleicht gerade deshalb kamen mehr als 300.000 Menschen zur Demonstration auf die Straßen der Hansestadt. Ein neuer Rekord und ein starkes Zeichen für Vielfalt, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Auch für uns als Regionalgruppe des Berufsverbands VK war von Anfang an klar: Jetzt erst recht! Einschüchtern lassen wir uns nicht. Natürlich war bei aller Entschlossenheit auch ein gewisses mulmiges Gefühl spürbar. Umso wichtiger war das gemeinsame Signal: Wir lassen uns unsere Lebensweise nicht nehmen. Wir zeigen Haltung, bleiben sichtbar und stehen füreinander ein.
Unser Stand mit direktem Blick auf die Binnenalster war dabei einmal mehr ein besonderer Treffpunkt. Neben den vielen Begegnungen bot die einzigartige Kulisse einen perfekten Rahmen für Austausch, Gespräche und gemeinsames Erleben.
Traditionell begann das Wochenende am Freitag mit unserem Stammtisch am CSD-Stand. Am Samstag folgten das von uns organisierte Warm-up sowie die gemeinsame Teilnahme am CSD-Umzug für alle, die mitlaufen wollten. Anschließend entwickelte sich unser Stand den ganzen Tag über zu einem beliebten Anlaufpunkt.
Am Sonntag ließ das Wochenende traditionell etwas ruhiger ausklingen. Bei guten Gesprächen, vielen Begegnungen und dem einen oder anderen kalten Getränk nutzten wir die Gelegenheit, die Eindrücke der vergangenen Tage gemeinsam Revue passieren zu lassen.
Neben zahlreichen Gästen des CSD freuten wir uns besonders über den Besuch vieler VK-Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet.
Genau dafür steht unser bundesweites Netzwerk: Egal, wo man unterwegs ist, überall gibt es Menschen und Anlaufstellen aus dem VK. Der CSD hat erneut gezeigt, wie wertvoll diese Verbindungen sind und wie wichtig der Austausch über Städte- und Regionsgrenzen hinweg bleibt.
Neu an unserem Stand war in diesem Jahr unsere Bälle-Aktion. Mit ihr wollten wir herausfinden, wie viele Menschen aus der Community im Berufsleben offen leben und wie viele noch nicht geoutet sind. Alle Gäste am Stand konnten entsprechend ihrer Selbstdefinition eine farbige Kugel auswählen und anschließend abstimmen, ob sie im Job geoutet oder nicht geoutet sind.
Die anschließende Auswertung der Bälle lieferte interessante Ergebnisse. Besonders bemerkenswert war die hohe Zahl von Menschen, die angaben, im Arbeitsumfeld offen und geoutet zu leben. Die Aktion zeigte zum einen die große Vielfalt innerhalb der Community und machte zum anderen deutlich, dass Offenheit und Sichtbarkeit im Berufsleben in den vergangenen Jahren für viele Menschen selbstverständlicher geworden sind. Zugleich wurde aber auch sichtbar, dass für manche ein Coming-out am Arbeitsplatz noch immer eine Herausforderung darstellt.
Ebenfalls neu waren unsere beiden Gästebücher. Darin sammelten wir persönliche Erfahrungen und Geschichten unserer Gäste rund um das Thema Coming-out. Die Leitfragen lauteten: „Wie hast du dein Outing erlebt?“ und „Was hätte dir bei deinem Outing im Job geholfen?“ Die zahlreichen Einträge zeigten, wie unterschiedlich die Erfahrungen sein können, machten aber auch deutlich, wie wichtig Akzeptanz, Unterstützung und ein offenes Arbeitsumfeld für viele Menschen sind.
Unser Resümee
Wir hatten ein CSD-Wochenende, das uns einmal mehr gezeigt hat: Offenheit und Sichtbarkeit sind wichtig. Zusammenhalt ist unverzichtbar. Und manchmal gilt mehr denn je: Jetzt erst recht!



