FG Forschung und Technik: Gegenwart und Zukunft von Lebensmitteln – Zu Besuch bei Fico in Bologna

Das Thema Lebensmittel wird uns alle in den nächsten Jahren immer stärker begleiten. Durch ein weiteres Anwachsen der Weltbevölkerung und die Herausforderungen des Klimawandels steht die Lebensmittelbranche in den kommenden Jahren weltweit vor großen Herausforderungen.

Wie kann man also die Produktion der traditionellen Lebensmittel effektiver und klimaneutral machen? Welche neuen Wege müssen in der Lebensmitteltechnologie gegangen werden?

Diese Fragen stellten wir uns auf dem Treffen der Fachgruppe Forschung und Technik am Wochenende des 20. – 23. Oktober 2022 in Bologna, Italien. Hier hatten wir die Gelegenheit, mit der „Fico – Eataly-World“ des Lebensmittelhändlers Eataly, die Herstellungsmethoden der traditionellen italienischen Küche anzusehen und testen zu können.

Beim Testen des Aceto-Balsamico.

Das Treffen begann am Donnerstagabend mit einem leckerem Get-Together in mehreren gemütlichen Bologneser Ristoranti. Vor der Tagung am Samstag standen am Freitag zwei Touren durch die Stadt auf dem Programm. Vormittags eine kulinarische Tour mit Station in einer Schokoladenmanufaktur, danach einem Aceto-Balsamico-Tasting (teuer, aber lecker) und einer Führung durch die Markthalle Mercato delle Erbe in Bologna. Hier wurden uns diverse Lebensmittel erläutert, die ihren Ursprung in der Emilia-Romagna haben, z.B. Mortadella oder Parmigiano Reggiano.

Führung zur Geschichte Bolognas.

Nachmittags die Geschichte Bolognas, geprägt durch den Kampf für Unabhängigkeit gegenüber den Medici und dem Papst. Zwischen den beiden Touren nahmen wir unser Mittagessen in einer Osteria ein, in der man nur Getränke bekommt. Das Essen organisieren sich die Gäste hier selbst in den zahlreichen umliegenden kleinen Läden. Am Abend ging es dann wieder in ein Ristorante mit traditionellen Speisen und Weinen aus Bologna und Umgebung.

Die Tagung am Samstag begann in Fico’s EATALY WORLD. Eataly ist einer der bekanntesten Lebensmittelhändler für italienische Produkte – in Italien und andernorts. Die FICO EATALY WORLD ist eine Art Vergnügungspark, in dem die Herkunft und Herstellung vieler italienischer Lebensmittel erläutert wird. Und man kann natürlich überall probieren, was wir während der Führung in der Mittagspause auch machten.

Ca. 30 Teilnehmer waren zur Tagung mitgekommen und diskutierten in einem von uns gemieteten Seminarraum vor Ort. Es gab einen Vortrag von Madeleine Maier, die uns aus Deutschland zugeschaltet war, über die Herstellung von Pflanzenölen – auf der einen Seite wissenschaftlich-technisch, auf der anderen Seite aber auch mit vielen Tipps zur Verwendung des richtigen Fettes zur jeweiligen Zubereitungsmethode. Ein weiterer Vortrag von Georg Haider befasste sich mit „Food Fraud“, also Lebensmittelbetrug, ein richtig großes Thema. Wusstet Ihr, dass etwa 40% der Lebensmittel, auf denen steht „Made in Italy“, gar nicht aus Italien sind?

EDGE-Gründungspräsident Angelo Caltagirone, zusammen mit dem jetzigen Präsident Mario di Carlo und den Fachgruppenleitern Andreas Lange und Dr. Thomas Dietrich.

Ein Aspekt zur Zukunft von Lebensmitteln wurde uns in zwei Filmen zum Thema „künstliches Fleisch“ vorgestellt. Das ist Fleisch, das in Bioreaktoren gezüchtet wird. Es ist damit in der Produktion ressourcenschonender als herkömmliches Fleisch und könnte in Zukunft einen großen Teil des jetzigen Bedarfs ersetzen. Auch wenn hier noch viele Fragen geklärt werden müssen, kann dies (zusammen mit z.B. Algen) ein wichtiger Baustein zur Ernährung der Weltbevölkerung in der Zukunft sein. Israel und Singapur sind hier Vorreiter.

Im zweiten Teil der Tagung lernten wir unseren italienschen Partnerverband EDGE kennen. Der Gründungspräsident Angelo Caltagirone und der jetzige Präsident Mario di Carlo waren bei unserer Tagung anwesend und haben uns erläutert, wie EDGE arbeitet und welche Ziele sie verfolgen. Die neue italienische Regierung wird hier verstärkte Aktivitäten erfordern!

Wir haben am Ende von Mario’s Vortrag noch darüber diskutiert, wie wir die Zusammenarbeit zwischen dem VK und EDGE ausbauen können und generell die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene fördern können. Gerade in Zeiten, in denen die Rechten in Europa immer stärker werden, müssen wir gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Errungenschaften nicht wieder zurückgedreht werden!

Gruppenportrait von einigen der Teilnehmern an diesem Wochenende in Bologna.

Zum Abschluß lernten wir am Abend „Anti-Aging-Food“ kennen. Hierzu waren wir in einem speziellen Ristorante, dessen Inhaberin Chiara Manzi sich engagiert, die Küche ihres Lokas streng nach ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten. Ein sehr spannendes Konzept! Wir sind nun alle „younger than ever“.   😉

Insgesamt war es ein tolles Wochenende, das nur durch die Hilfe von Stefano Pasini zustande kam, der aus Bologna stammt und die ganze Vorbereitung maßgeblich durchgeführt hat. Vielen Dank an Stefano und Andreas für die perfekte Planung, Vorbereitung und Umsetzung. Vielen Dank an alle Vortragenden und an die Teilnehmer für die guten Diskussionen.

TD